Die Milchstraße richtig fotografieren lernen

Die Milchstraße richtig fotografieren lernen und bearbeiten in Lightroom

Die Milchstraße ist immer wieder ein heiß begehrtes Motiv unter den Landschaftsfotografen. Aber warum ist das so? Vielleicht liegt es daran, dass wir nicht jeden Tag Neumond haben und noch dazu eine klare Nacht. Aber keine Panik. Man kann die Milchstraße auch während der Mondphasen fotografieren. Es ist immer die Frage wie deutlich man sie sehen möchte. Auch mit ein paar Wolken ergibt sich ein sehr interessantes Bild. Aber dazu später mehr.

Kommen wir zum Hauptthema. Ich möchte euch meinen Workflow zeigen für Nachtaufnahmen mit der Milchstraße. Es gibt sicherlich viele Wege für die Bearbeitung und Aufnahmetechniken, aber ich finde mein „Rezept“ ideal. Vor einiger Zeit habe ich eine wirklich kleine Klickanleitung zur Bearbeitung in Lightroom gezeigt. Nun möchte ich es euch ausführlich erklären. Wir bearbeiten das Bild nicht nur in Lightroom, sondern gehen einen Schritt weiter in Photoshop. Als kleinen Bonus zeige ich euch wie ihr mit Hilfe der Google Nik Collection (Gibt es jetzt Gratis) noch mehr Details raus kitzeln könnt.

 

Das Equipment

Auf das Aufspüren der Milchstraße wie wann und wo man sie am besten sehen kann, möchte ich nicht weiter eingehen. Dafür gibt es beispielsweise gute Handy Apps wie PhotoPills oder Sky Guide (beides nur für Apple).

Was brauche ich alles?

  • Stativ
  • Kamera (egal ob Spiegelreflex oder Spiegellose)
  • Ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv
  • Kopflampe

Das war es im Grunde genommen auch schon. Viele sagen es wird noch ein Fernauslöser benötigt. Naja ein nettes nice to have. Aber ich persönlich nutze den Kamerainternen Selbstauslöser mit 2 Sekunden. Reicht völlig hin!

Bei der Kamera wäre es natürlich schön, wenn diese hohe ISO Bereiche ohne starkes Rauschen abkann. Falls nicht, auch nicht weiter schlimm. Lieber ein verrauschtes Bild als überhaupt kein Bild.

Kleiner Tipp: Ihr solltet natürlich eure Kamera blind bedienen können. Das erleichtert das Arbeiten nachts im Dunkeln auf dem Feld oder im Wald.

 

Jetzt geht’s los

Es ist Neumond und die Sterne funkeln?! Na dann kann es losgehen. Für mich bietet der Harz viele dunkle Ecken. Mit der Zeit werdet ihr herausfinden wo ich überall stehe oder ihr fragt mich einfach. Wichtig für die Komposition, sucht euch einen Vordergrund. Auch wenn die Milchstraße das Hauptmotiv werden soll, finde ich es harmonischer, wenn ihr einen Vordergrund mit einbaut. Das kann allesmögliche sein. Ein Baum, Strauch, Stein, Straße oder ihr nehmt einen Kumpel mit der mit einer Kopflampe in den Himmel leuchtet. Ich denke ihr werdet schon ein paar kreative Ideen finden.

 

Das Fokussieren

Alles ist aufgebaut und bereit für das erste Foto. Doch was ist mit dem Fokussieren? Autofokus kann man in der Dunkelheit vergessen. Wir müssen manuell scharfstellen. Um den Sternenhimmel schön scharf abzulichten muss den Fokus am Objektiv auf unendlich stellen. Aber unendlich ist nicht gleich unendlich. Ich persönlich teste das Ganze am Tage. Fokussiere die Landschaft und schaue dann bei welcher Position (gedrehte Acht) mein Bild knackscharf ist. Wichtig, diese Stellung dann merken.

Zweite Möglichkeit wäre sehr mühselig. Ihr stellt auf unendlich und macht Probeaufnahmen. Danach zoomt ihr in das Bild und prüft die Schärfe. Dann wird eventuell nachjustiert und somit tastet ihr euch ran. Wäre jetzt nicht wirklich meine erste Wahl.

 

Einstellungsparameter

Jetzt wird es interessant. Was muss ich einstellen damit auf meinem Display die Sterne funkeln? Vorweg ein bisschen Theorie. Die Erde dreht sich. Ist jetzt nix neues. Das heißt allerdings, dass ich nicht unendlich lange belichten kann. Sonst wird aus einem Stern eine Strichspur. Für eine ideale Belichtungszeit gibt es eine Faustformel:

Für Vollformat gilt:
500 geteilt durch Brennweite = ideale Zeit

Für Crop bzw. APS-C Kamera gilt:
300 geteilt durch Brennweite = ideale Zeit

Ein Beispiel: Nehmen wir eine Canon 70D (APS-C) und einem Objektiv mit 18mm
300/18 = 16 Sekunden

16 Sekunden wären in dem Fall eine gute Belichtungszeit ohne Strichspuren. Bitte beachtet, es ist nur eine Faustformel.

Der Grundsatz ist immer: Ich möchte innerhalb kürzester Zeit so viel Licht wie möglich auf meinen Sensor lassen.

Parameter für die Milchstraße:

  • Offenblende
  • ISO 3200 oder sogar höher (vom Kamerahersteller abhängig; einfach experimentieren)
  • Belichtungszeit richtet sich nach Brennweite vom Objektiv

Meine Bilder entstehen meist mit folgenden Einstellungen:

  • Kamera: Canon 6D
  • Objektiv: Tamron SP 15-30 f/ 2.8 Di VC USD
  • Brennweite: 15mm
  • Blende: 2.8
  • Zeit: 30 Sekunden
  • ISO: 3200

Und ganz WICHTIG: Fotografiert IMMER in RAW !

 

Feuer frei !

Nun könnt ihr fotografieren was das Zeug hält. Experimentiert mit den Einstellungen oder auch mit der Perspektive. Macht auch mal Hochformat oder ein Panorama. Hier zählt wirklich: Haben ist besser als brauchen. Ihr ärgert euch sonst grün. Zwischendurch checkt immer mal die Schärfe.

Die Aufnahme war natürlich nur die halbe Miete. Jetzt geht’s an die Bearbeitung in Lightroom und Photoshop.

 

Bearbeitung in Lightroom

So wir sind wieder Daheim und haben unsere Ausbeute in Lightroom importiert. Es kann also losgehen mit der Bearbeitung. Wir gehen in den Entwicklermodus und sehen das “Rohbild”

 

1. Schritt

Ich beginne mit folgenden Werten. Denkt dran: IHR müsst das immer etwas probieren. Nicht jedes Bild ist gleich.

Weißabgleich: 3700K
Tonung: -9

Belichtung: +0.10
Kontrast: +60

Lichter: -55
Tiefen: +50
Weiß: +18
Schwarz: -3


Klarheit: +39
Dynamik: +17
Sättigung: 0

Danach spiele ich noch etwas mit der Gradationskurve:

Lichter: +9
Helle Mitteltöne: +19
Dunkle Mitteltöne: +31
Tiefen: +4

 

2. Schritt

Der zweite Schritt ist nicht immer zwingend notwendig. Eher so eine Geschmacksache. Ich habe versucht das Leuchten der Städte etwas zu entsättigen. Schaut selbst.

 

3. Schritt

Teiltonung:

Farbton: 215
Sättigung: 12

Schärfen:

Betrag: ca. 47
Radius: 0.8
Details: 25
Maskieren: ca. 73

 

4. Schritt

Bei dem Bild habe möchte ich noch die Straße etwas aufhellen und verwende daher den Verlaufsfilter mit folgenden Parameter:

Selektiver Weißabgleich: +57 (ich möchte das Licht auf der Straße wärmer haben)
Belichtung: +0.26
Kontrast: +7
Tiefen: +11
Lichter: +17
Rauschen: +53 (Na Logo!)

 

5. Schritt

Ein richtig gutes Werkzeug ist der Radialfilter. Damit könnt ihr selektiv nur die Milchstraße bearbeiten.

Auch hier möchte ich viel Kontrast erzeugen und spiele noch mit Tiefen und Lichter. Wichtig hierbei: Denkt an einen weichen Übergang. Also weiche Kante auf ca. 75

 

Fertig

Fertig? Also wenn ihr nur mit Lightroom arbeitet, dann habt ihr nun ein finales Bild. Ich denke mit dem Ergebnis könnt ihr auch richtig zufrieden sein. Nehmt euch das nächste Bild vor und übt etwas. Experimentiert mit den Einstellungen und gestaltet es so wie euch’s gefällt.

Für alle anderen geht es nun weiter mit Photoshop. Man öffnet das Bild direkt aus Lightroom in Photoshop. Wie das geht? Mit Rechtsklick auf die Datei und geht dann auf den Reiter “Bearbeiten in” und dann steht da schon Adobe Photoshop. Es erscheint ein Fenster mit der Frage wegen dem Farbraum. Wählt das Mittlere von den Dreien aus und drückt OK.

Weiter geht’s !

Bearbeitung in Photoshop 

1. Schritt 

Als erstes macht ihr eine Kopie von der Ebene [cmd]+[J] . Ich höre öfters, dass es ratsam sei die Ebenen zu benennen. Ja macht Sinn, aber bei meiner wenigen Anzahl brauch ich das nicht. Als nächstes öffnet ihr eine Gradationskurve und zieht diese etwas in den dunkleren Bereich.

 

2. Schritt 

Mit Hilfe des Füllwerkzeugs und der Farbe schwarz färbt ihr nun die Ebenenmaske ein. Das Bild sollte jetzt wieder heller wirken. Sehr gut. Nehmt anschließend den Pinsel. Es spielt keine Rolle ob harte oder weiche Kante. Deckkraft auf 100%.  Achtet darauf, dass ihr auf der Ebenenmaske seid. Aktiviert die weiße Farbe. (Als Tipp: Mit [x] könnte ihr zwischen schwarz und weiß switchen). Nun fahrt ihr mit dem Pinsel über die Milchstraße. Ihr wählt damit den Bereich aus den ihr dann mit der Gradationskurve bearbeiten wollt.

 

3. Schritt 

Wenn ihr den Bereich der Milchstraße markiert habt, dann entsteht ein “neues” Histogramm in der Gradationkurve. Hier versucht ihr eine kleine S-Kurve zu erzeugen. Also man zieht die Tiefen (links) etwas runter und erhöht dementsprechend die Hellen (rechts). Die Milchstraße bekommt dadurch mehr Kontrast. Natürlich nicht übertreiben.

 

4. Schritt 

Um den Übergang möglichst weich zu gestalten klickt ihr wieder auf die Ebenenmaske und geht auf Filter >> Weichzeichnungsfilter >> Gaußscher Weichzeichner und gebt einen Wert von ca. 250 Pixel ein.

 

5. Schritt 

Wir haben es bald geschafft! Nun geht es darum mehr Struktur aus der Milchstraße zu holen. Dafür nehmen wir das Unscharf maskieren (Filter >> Scharfzeichnungsfilter >> Unscharf maskieren). Bevor ihr das macht, brauchen wir eine neue Kopie von unserer Anfangsebene (oder von Ebene 1). Auf dieser neuen Ebene wenden wir dann Unscharf maskieren mit folgenden Parametern an:

Stärke: 90
Radius: 51,5

Und dann auf okay klicken. Nicht wundern, sieht erstmal grausam aus. Das ändern wir gleich.

 

6. Schritt 

Damit das Bild nicht so grauenhaft überschärft bleibt, setzen wir nun eine schwarze Ebenenmaske dazu ( [Alt] + neue Ebenenmaske ). Dann sollte alles wieder normal aussehen.

Danach nehmt ihr wieder einen weißen Pinsel und stellt die Deckkraft auf ca. 20% und holt etwas Struktur aus der Milchstraße heraus. Auch hier gilt: Nicht zu viel. Anschließend werden die Übergäng wieder mit Hilfe vom Gaußschen Weichzeichner geglättet.

Wer keine Nik-Collection besitzt wäre jetzt FERTIG. Ta daaa. Das wars schon! Auch hier gilt: Probiert es einfach mal aus und experimentiert. Ablauf und Prinzip ist immer gleich.

 

7. Schritt 

Die Nik-Collection kommt zum Einsatz!

Ihr geht auf die letzte Ebene und fasst nun alle Ebenen zusammen mit [cmd]+[Umsch]+[alt]+[E]. Danach startet ihr Color Efex Pro.

8. Schritt 

Nach dem Öffnen nutze ich den Filter Tonal Contrast :

Spitzlichter: 6%
Mitteltöne: 24%
Schatten: 18%
Sättigung: 3%

Natürlich soll der Filter nur selektiv verwendet werden. Dafür geht ihr einfach auf das kleine Plussymbol und wählt die passendene Bereiche aus. Das Ganze könnte beispielsweise so aussehen:

 

9. Schritt 

So der letzte Schritt ist eine Geschmackssache. Ich mag Vignette und nehme daher den Filter Darken / Lighten Center dazu. Einstellungen lasse ich wie vorgegeben. Gefällt mir so ganz gut. Ansonten probieren.

Abschließend einfach auf okay klicken und warten.

 

10. Schritt

Zum Abschluss wird das Bild nochmals entrauscht mit Hilfe des Tools Dfine 2 (Nik Collection). Dabei lasse ich alles auf “automatisch”.

 

Finale !

Fertig! Das wars schon!

Ich hoffe ich konnte euch mit dieser Anleitung weiterhelfen. Falls Fragen auftauchen schreibt mir doch einfach oder zeigt mir eure Resultate. Wenn der ein oder andere noch Ideen hat, die man einfließen lassen könnte, dann gebt mir einfach Bescheid. Natürlich gibt es bestimmt noch andere Wege für die Bearbeitung. Ich bin gespannt.

So und jetzt ran an die Bearbeitung!