Fototour durch Deutschland 2016

Fototour 2016

Wenn ich gerade aus dem Fenster schaue und die prasselnden Regentropfen beobachte, dann muss ich so an den letzten Sommer 2016 denken. Nicht weil ich mich nach Sonne und schönes Wetter sehne. Nein weil der Regen mich genau an den wunderbaren Roadtrip erinnert. Eine Woche zu dritt (Andy, Clemens und ich) mit dem Auto durch Süddeutschland, um ein paar berühmte Fotospots zu besuchen. Der Plan wir ziemlich einfach: Wir suchen uns ein paar Ziele aus, kombinieren diese mit einer Route und dann kann es schon losgehen.

Gedanken über Gedanken

Was ist mit Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeiten? Auch ganz einfach (gedacht). Supermärkte und Kühlbox machen alles möglich. Übernachtung – natürlich Zelten. Auf einem Zeltplatz? Natürlich nicht. Wir wollten Wildcampen und im Idealfall direkt in der Nähe der Spots. Damit wir morgens aus dem Zelt fallen und gleich einen legendären Sonnenaufgang fotografieren können. Ohja, so waren unsere Vorstellungen und wir malten uns Bilder aus wie es wohl sein wird. Am Abend eventuell noch etwas am Lagerfeuer grillen und nebenbei Geschichten erzählen. Das klingt doch nach einem Roadtrip für “echte” Männer.
Wir wollten doch frei in unserem Handeln sein. Auf der Liste standen viele Seen und Teiche. Damit sollte das Problem mit “Waschen und Pflege” auch vom Tisch sein. Außerdem gibt es ja Rasthöfe mit Duschen. Es war ja schließlich Sommer. Doch die nüchterne Realität sollte uns aber schnell einholen.

Vollgepackt startet der Roadtrip

Tasche packen und los geht’s: Tag 1

Als Leihwagen hatten wir ein kleines Raumwunder, einen VW Sharan. Das sollte doch für 3 Personen samt Fotoausrüstung ausreichend sein. Das erste Etappenziel war der Hauptbahnhof in Frankfurt/Main um Clemens abzuholen. Es schien die Sonne. Also ging es gut gelaunt zum ersten Fotospot – Burg Eltz. Nach knapp zwei Stunden Fahrt erreichten wir das Örtchen Wierschem und das Wetter war gegen uns. Es regnete.

Übrigens, wenn man zur Burg fährt muss man über eine enge Straße fahren die auf einen kostenpflichtigen Parkplatz endet. Sehr clever gemacht! Von einem Aussichtspunkt haben wir uns die Burg von oben angeschaut. Es fährt auch ein Pendlerbus vom Parkplatz. Da es aber regnete und das Licht einfach langweilig war, haben wir nur ein paar Handybilder gemacht. Ein so schönes Motiv verdient es bei schönem Licht fotografiert zu werden. Wir hatten nicht mal Nebel. Etwas deprimiert gingen wir wieder zum Auto und setzten die Fahrt fort, schließlich war die Fotoliste lang.

Burg-Eltz (Handyaufnahme)

Nächster Halt Mullerthal in Luxemburg

140km später waren wir im Mullerthal angekommen. Der ein oder andere kennt bestimmt den Mullerthal Trail oder auch die kleine Luxemburger Schweiz genannt. Nein, wir wollten nicht wandern. Unser Ziel war der drei armige Wasserfall mit Brücke. Dieser Ort erinnert irgendwie an Mittelerde. Der kleine Wasserfall befindet sich direkt neben der Straße und ist so unscheinbar, dass wir ihn als erstes übersehen haben. “Das kann er doch nicht sein, oder?” Doch er war es. Auto geparkt, Sachen geschnappt und hin gelaufen. Es hat mal nicht geregnet, aber es voll mit Touristen. Ein Menschenleeres Bild zu machen schien quasi unmöglich. Okay es gab dann genügend Zeit um Perspektiven zu probieren.
Gegen Abend war unsere Zeit und die Kameras klickten und klackten. Einen schönen warmen Sonnenschein hatten wir dennoch nicht. Der erste kleine Erfolg.

Dreiadriger Wasserfall in Luxemburg
Schiessentümpel Mullterthal mit Brücke
Treppen führen zum Mythos Wasserfall
Schiessentümpel Mullterthal

Saarschleife

Die Reise ging weiter, zurück nach Deutschland. Mittlerweile setzte die Dämmerung ein und wir fuhren (ich war eigentlich immer Fahrer) in das kleine Dorf Orscholz. Kennt ihr nicht? Ich kannte es auch nicht, aber hier befindet sich der legendäre Aussichtspunkt Cloef. Von dort hat man eine tolle Sicht auf die Saarschleife. Idealer Spot für Sonnenaufgang und den wollten wir mitnehmen. Als wir ankamen, war es bereits dunkel und wir stellten das Auto auf dem Parkplatz ab. Wir wollten dann schon mal zum Aussichtspunkt gucken. “Brauchen wir die Kameras?” … “Ach die lassen wir erstmal im Auto, wir gucken nur so” – wie dumm konnte man sein. Die Aussicht war in der Nacht fantastisch. Vereinzelte Nebelschwaden über der Saar (sahen aus wie Geisterschiffe) und darüber leuchteten die Sterne. Verdammte Axt und die Kameras lagen im Auto.

Ohne Bilder suchten wir uns dann in völliger Dunkelheit ein Nachtquartier. Ihr glaubt es nicht, wie schwer das ist. Nix mit “Hey ich schlag ein Zelt auf wo ich will”. In einem Waldweg ganz in der Nähe fanden wir eine gute Stelle. Ich hatte eine Wurfzelt*. Sehr praktisch! Aber Andy brauchte Heringe und der Boden war so hart, dass kein Hering dort rein ging. Lange Rede kurzer Sinn, Clemens und ich schliefen im Zelt und Andy im Auto. Nach einer wirklich kurzen Nacht klingelte der Wecker zum Sonnenaufgang. Voller Elan wurde alles zusammengepackt und es ging zum Aussichtspunkt. Wie sollte es auch anders sein, das Wetter war einfach Scheiße. Eine graue Nebelsuppe zog sich über die Saarschleife. Von einem Sonnenaufgang mit Himmelsfärbung fehlte jede Spur. Da standen wir drei nun. Es war 6Uhr und wir gingen zum Auto – nächster Spot !

Sonnenaufgang Saarschleife mit Nebel

Triberger Wasserfälle: Tag 2

270km Autobahn und Landstraße und schon waren wir im wunderschönen Schwarzwald. Genau gesagt im kleinen Örtchen Triberg. Wir wollten dort die berühmten Wasserfälle fotografieren und die 100 Leute vor uns in der Schlange an der Kasse auch. Oh mein Gott, man hatte mich ja schon gewarnt, dass dieser Ort überlaufen ist. Verdammt und wie recht sie hatten. Die Beiden anderen wollten unbedingt. Ich blieb im Auto und habe eine Runde geschlafen. Die Nacht hatte mich sehr gerädert und außerdem muss der Fahrer Fit sein. Nach einer Weile kamen die Jungs zurück. Die Ausbeute der Fotos war nicht überragend. Irgendwie war die Motivation schon leicht am Sinken. Aber wir hatten doch noch weitere Ziele und soll ich euch was sagen? Zu dem Zeitpunkt schien die Sonne. Es war schon fast unangenehm.

Ziel verfehlt?

Die nächsten Ziele waren Gertelbacher Wasserfälle (nur um die 100km entfernt), Allerheiligen Wasserfälle und Geroldsauer Wasserfälle. Es war quasi perfekt, weil diese Spots Wetterunabhängig sind. Endlich ein paar gute Bilder auf der Speicherkarte dachte ich mir. Doch unser glücklicher Gedanke war nur von kurzer Dauer. Beim Programmieren des Navis haben wir versehentlich einen falschen Ort eingegeben und nach 150km Fahrt uns aufgefallen, dass wir hier falsch waren. Aber so richtig falsch! Leider konnten wir wegen der Freikilometerpauschale nicht zurückfahren (3000km). Wir mussten diese Spots also weglassen und weiter fahren. Wer weiß, ob wir überhaupt alles geschafft hätten was auf der Liste stand.

Neuschwanstein

Die Reise wurde fortgesetzt und gegen frühen Abend waren wir in Hohenschwangau oder besser bekannt Schloss Neuschwanstein. Das war schon echt beeindruckend. Ich kannte es nur von Bildern. Wir hatten also noch genug Zeit um alles auszukundschaften und sind dann Essen gegangen. Nach dem Abendbrot (es war ja noch hell) wollten wir uns einen schönen Schlafplatz suchen als wir bemerkten, dass eine böse dunkle Gewitterwand aufzog und nein sie zog nicht vorbei. Es hörte sehr schnell auf langsam zu regnen und es goss aus Kübeln. Scheiße, wir können nirgends wo pennen bei dem Regen. Keine Jugendherberge in Füssen oder Ferienwohnung hatte noch ein Zimmer frei. Man bot uns den Zeltplatz an – ha ha ! Die rettende Idee: eine alte Tankstelle neben der Straße schaffte uns ein Dach und damit einen trockenen Platz. Das Wurfzelt* konnte man wieder überall hinstellen. Andy musste wieder im Auto pennen. Aber das waren wir gewohnt. Hauptsache schlafen! Irgendwann hat mich der LKW Lärm nicht mehr gestört und ich schlief ein.

Übernachtung Tankstelle – Zimmer frei

Schloss Neuschwanstein (Hohenschwangau): Tag 3

Am nächsten Morgen standen wir etwas später auf. Kein Sonnenaufgang. Wir wollten ausschlafen. Nachdem wir bei Tageslicht unser Schlafquartier gesehen hatten, mussten wir schmunzeln. “Zimmer frei” stand ironischerweise auf einem Schild an der Tankstelle. Wir packten ein und fuhren zum Schloss Neuschwanstein. Selbst am frühen Morgen wurden hier massenweise Touristen aus den Bussen gejagt. Das Wetter an diesem Tag war so leicht regnerisch und die Wolken hingen sehr tief. Es hat auch mal nicht geregnet. Ein guter Spot ist die Marienbrücke, die leider an diesem Tag wegen Bauarbeiten gesperrt war. Unsere Glückssträhne reißt nicht ab.

Jetzt bekommt ihr einen kleinen Insider Tip. Neben der Brücke ist ein Waldgebiet. Wenn man den Trampelpfaden folgt, kommt zu einem Abhang. Passt bloß auf, dass ihr nicht runterfallt. Von hier hat man einen malerischen Blick auf das Schloss Neuschwanstein. Es hüllte sich geheimnisvoll im Nebel an diesem Tag. Nach ein paar Fotos fing es auch endlich wieder an mit Regen und wir machten uns auf den Rückweg. Klitschnass.

Die Reise geht weiter

Wir hatten beschlossen unseren Roadtrip fortzusetzen und steuerten das nächste Ziel an – Der Eibsee bei Grainau. Das war nun wirklich nicht weit entfernt und wir hatten echt Zeit um den Eibsee herum zu umwandern. Am Abend hatten wir Glück mit dem Wetter und es schien die Sonne. Wir haben die Situation genutzt und sprangen in den See. Das war seit Tagen der erste Kontakt mit Wasser. Ihr könnt jetzt verstehen, wie gut das tat. Nach dem Baden wurde dann in aller frische fotografiert.

Es hat sich gelohnt und die Stimmung wurde besser. Auf einem abgelegenen Parkplatz konnten wir unser Nachtlager aufbauen und es gab eine erholsame Nacht. Am nächsten Morgen fuhren wir zum Sonnenaufgang wieder zum Eibsee und haben uns an verschiedenen Spots aufgestellt. Natürlich war das Wetter nicht auf unserer Seite und wurden mit kräftigen Wolken begrüßt. Okay – Sachen packen und weiter ging die Fahrt.

Geroldsee: Tag 4

Die Fototour wurde in dem kleinem Örtchen Gerold fortgesetzt. Gerademal 15km Fahrt. Es war ein toller Tag. Denn wir hatten eine Menge Zeit über und  haben uns noch Garmisch-Partenkirchen angesehen. Besonders faszinierend war die Sprungschanze. Nach dem Mittag haben wir uns auf den Weg gemacht zum Geroldsee oder auch Wagenbrüchsee genannt. Die Sonne knallte und man hat dort Gelegenheit zu baden. Unser Gedanke war. “Hier bleiben wir bis zu Sonnenuntergang und können sogar die Zelte aufschlagen.”. Es klang viel zu perfekt. Denn nach einer Stunde zogen dunkle Wolken auf und es begann zu regnen. Nach einer Weile hatte es sintflutartig geregnet. Mir war es egal. Es war warm und ich wollte trotzdem baden. Der Sonnenuntergang viel förmlich ins Wasser. Eine kurze Regenpause und eins zwei Bilder waren machbar.

Übernachtung?

Viel schlimmer war wieder der Gedanke, wo werden wir übernachten? Keine Herberge, kein Pension etc wollte uns aufnehmen. Nicht mal in einer Scheune durften wir schlafen. Durch einen kleinen Tipp sind wir in Garmisch-Partenkrichen an der Wankbahn gelandet. Dort war zwar ein Wohnmobilstellplatz, aber wir brauchten ein Dach wegen dem Regen. Eine Nacht im Regen hätte das Zelt nicht ausgehalten. Das Wurfzelt wurde dann vor der Eingangstür der Wankbahn aufgestellt, direkt neben einen Getränkeautomaten. Ich weiß nicht was mich mehr vom schlafen abgehalten, der summende Automat, das Licht oder die große Uhr die dort hang. Zum Glück war die Nacht auch ziemlich kurz!

Geroldsee und Berchtesgadener Land: Tag 5

Am nächsten Morgen hatten wir richtig Glück mit dem Wetter. Ein wunderbarer Sonnenaufgang mit Nebel und Alpenglühen. Endlich gab es gute Bilder.
Nach dem Frühstück ging es dann gut gelaunt weiter Richtung Berchtesgadener Land. Das Ziel war der Hintersee bei Ramsau. Wir mussten nicht lange suchen nach dem Fotospot, denn das Motiv stand schon fest. Der Klassiker, die kleine Insel mit den Bäumen. Nach ein paar Bilder sind wir Essen gegangen und dann fing es wieder an – Regen! Verdammt nochmal! Zum Abend lockerten sich kurz die Wolken auf und wir konnten ein paar mystische Aufnahmen von den Anglern auf dem See fotografieren.

Der Regen hörte an diesem Abend nicht mehr auf und ich baute das Zelt in einer Bushaltestelle auf. Ich war mittlerweile Kummer gewohnt und froh, nicht im nassen schlafen zu müssen.
Der nächste Morgen begann mit viel Nebel und tief hängenden Wetterwolken. Wir hatten zwar kein Morgenrot, aber ich war sehr zufrieden mit den Aufnahmen.

Königssee und Obersee

Nach dem erfolgreichen Morgen fuhren wir zum Königssee und buchten eine kleine Bootsfahrt zum Obersee. Also einmal quer über den See. Zeit zum Entspannen. Das war auch unser letztes Ziel unserer Fototour.
Am Abend ging es zur Übernachtung in ein Hotel. Welch ein Genuss, sag ich euch. Zum Ausklingen dieser Tour spielten wir noch eine Runde Minigolf und der Stress der letzten Tage war verschwunden.

Fazit

Ich habe viel gesehen in kurzer Zeit und gelernt mit wenig aus zukommen bzw. wie man am besten improvisiert. Es ist schon toll andere Orte kennen zu lernen,  Aber ich finde, die eigene Heimat ist immer noch die schönste.

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Written by Oliver Henze

Photographer & Discoverer

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